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04.09.2026

Aktuelles | Klanggarten Offenbach Wo jede Stimme zählt

30 bis 35 Menschen, ganz unterschiedliche Lebensgeschichten und eine gemeinsame Freude: das Singen. Seit fast 15 Jahren bringt der Offenbacher Projektchor KLANGGARTEN Menschen mit und ohne Psychiatrieerfahrung zusammen. Dabei geht es um weit mehr als Musik – es geht um Gemeinschaft, Teilhabe und die Erfahrung: „Ich kann etwas. Und ich gehöre dazu.“

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© Baumann Fotografie

Als der KLANGGARTEN im Herbst 2011 gegründet wurde, probten Patient:innen, Mitarbeitende, Angehörige und andere der Psychiatrie verbundene Menschen zunächst in den Räumen des heutigen Sana Klinikums Offenbach. Die Idee war von Anfang an einfach: Jeder Mensch, der Freude am Singen hat, soll mitmachen können.

Einige ehemalige Patient:innen wünschten sich mit der Zeit jedoch mehr Abstand zur Psychiatrie und zu den Erinnerungen an ihre akute Erkrankungsphase. Der Chor zog in die Räume der Offenbacher Luthergemeinde – und öffnete sich damit noch stärker. Heute treffen dort Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen aufeinander. Wer psychisch erkrankt ist oder einmal war, spielt dabei keine Rolle.

„Wir alle wollen gerne zusammenkommen und singen“, sagt Chorleiter Martin Meding. Und jede und jeder darf selbst entscheiden, was möglich ist: Manche singen nur bei den Proben mit, andere stehen auch bei den Auftritten auf der Bühne. Manche kochen Kaffee, stellen Stühle oder bringen Kartoffelsalat zum gemeinsamen Fest mit. „Jeder so, wie er kann und was er kann“, beschreibt Meding das Prinzip. Denn im KLANGGARTEN zählt nicht nur die Stimme. Jeder Beitrag ist wichtig.

Gemeinsam wachsen

Auch der Name KLANGGARTEN passt dazu. Wie Pflanzen in einem Garten brauchen die Lieder Zeit und Aufmerksamkeit, bis sie sich entwickeln. Zu Beginn eines Chorprojekts bringt Meding acht bis zehn Lieder mit, über die gemeinsam abgestimmt wird. Und manches, was anfangs unmöglich scheint, gelingt nach einigen Wochen plötzlich doch.

Genau darin steckt für Meding eine wichtige Erfahrung: „Wir können das! Ich kann das!“ Der KLANGGARTEN versteht sich deshalb ausdrücklich nicht als Leistungschor. Natürlich soll es am Ende gut klingen. Wichtiger sind aber die Freude am gemeinsamen Singen und das, was dabei entsteht: Beziehung, Selbstwirksamkeit und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Gerade für Menschen mit psychischen Erkrankungen kann das eine besondere Bedeutung haben. Einige Sänger:innen erzählen Meding nach den Proben einfach von der „guten Zeit“, die sie dort hatten.

Und die Gemeinschaft endet nicht mit dem letzten Ton. Gespräche bei Kaffee und Kuchen, gemeinsame Feste und das jährliche Chorwochenende gehören ebenso zum KLANGGARTEN wie die Musik.

Rund 150 Auftritte – und noch lange nicht Schluss

Was 2011 klein begann, ist längst zu einer festen Größe geworden. Heute nehmen an einem Chorprojekt zwischen 30 und 35 Sänger:innen teil, rund 150 Auftritte hat der KLANGGARTEN inzwischen absolviert. Selbst Corona konnte die Gemeinschaft nicht stoppen: Als reguläre Proben nicht möglich waren, wurde online, im Dreieichpark oder kurzerhand auf dem Parkplatz gesungen.

Besonders freut sich Martin Meding über die Entwicklung einzelner Sänger:innen. Für manche ist die Chorprobe der einzige feste Termin außerhalb der eigenen vier Wände. Und bei Konzerten etwa in Senioreneinrichtungen erleben die Sänger:innen, dass sie selbst anderen Menschen etwas geben können.

Nach fast 15 Jahren verbindet Meding mit dem KLANGGARTEN deshalb vor allem eines: „Eine tiefe Dankbarkeit.“ Sein Wunsch für die Zukunft? Dass diese Gemeinschaft erhalten bleibt – und die Offenheit, die im KLANGGARTEN selbstverständlich geworden ist, auch an anderen Orten wächst.

Lust mitzusingen?

„Jeder, der singen möchte, ist herzlich willkommen!“ – an diesem Leitspruch hat sich seit der Gründung nichts geändert. Chorerfahrung oder musikalische Vorkenntnisse braucht es nicht. Wer noch unsicher ist, darf auch erst einmal zuhören oder nur dort mitmachen, wo es sich gut anfühlt.

Der KLANGGARTEN probt mittwochs von 17 bis 18.30 Uhr in den Räumen der Luthergemeinde, Waldstraße 74–76 in Offenbach.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.