Wenn ein nahestehender Mensch psychisch erkrankt, verändert sich oft auch das Leben der Angehörigen. Sorgen, Hilflosigkeit und viele offene Fragen gehören plötzlich zum Alltag. Mit einer offenen Angehörigengruppe bietet die Stiftung LEBENSRÄUME in Offenbach einen geschützten Ort für Austausch, Unterstützung und gegenseitiges Verständnis.
„Viele Angehörige wünschen sich vor allem, Menschen zu treffen, denen es ähnlich geht und die ihre Erfahrungen nachvollziehen können“, erzählt Michael Jaensch, der die Gruppe seit ihrer Gründung im Juli 2022 moderiert. Oft gehe es auch darum, Freund:innen und das private Umfeld nicht immer wieder mit den eigenen Sorgen belasten zu wollen – oder sich gut gemeinte Ratschläge zu ersparen. In der Gruppe dagegen müsse niemand lange erklären, wie belastend das Leben mit der psychischen Erkrankung eines nahestehenden Menschen sein kann.
Durchschnittlich sechs bis zehn Angehörige kommen zu den monatlichen Treffen. Meist sind es Mütter und Väter psychisch erkrankter Kinder, manchmal Elternpaare oder Partner:innen. Manche kommen regelmäßig, andere nur in einer besonders schwierigen Phase.
Ein festes Programm gibt es bewusst nicht. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde entsteht das Gespräch aus dem, was die Teilnehmenden gerade beschäftigt. Mal geht es um ganz praktische Fragen zum Hilfesystem, um fehlende Behandlungsmöglichkeiten oder den Umgang mit Behörden. Mal um die eigene Hilflosigkeit, wenn ein erkrankter Mensch Unterstützung ablehnt. Und manchmal brauchen Traurigkeit, Angst oder Verzweiflung einfach Raum.
„Echte Gefühle und persönliche Not gehen vor sachlichem Austausch“, sagt Jaensch. Dabei erlebt er immer wieder, wie viel Kraft die Gruppe entwickeln kann: Menschen, die ähnliche Situationen kennen, geben ihre Erfahrungen weiter, machen Mut oder hören einfach zu. „Sorgen, Traurigkeit, Hilflosigkeit und Verzweiflung sind oft dabei. Das ausdrücken zu dürfen, bringt große Erleichterung. Und oft wird danach auch wieder gelacht. Das ist das Schöne an der Gruppe.“
Neben dem offenen Austausch gibt es gelegentlich Gäste und fachliche Impulse. Seit 2023 besteht zudem eine Kooperation mit der psychiatrischen Abteilung des Sana Klinikums Offenbach. Auch Assistenzärzt:innen nehmen gelegentlich an den Treffen teil.
Dass das Angebot gebraucht wird, zeigen nicht zuletzt die Rückmeldungen der Teilnehmenden. Eine davon bringt vielleicht am besten auf den Punkt, was die Gruppe ausmacht: „Auch wenn es blöd klingt: Es tut gut, Menschen zu treffen, denen es auch schlecht geht.“
Über die Angehörigengruppe
Die Angehörigengruppe trifft sich jeden ersten Montag im Monat von 18 bis 19.30 Uhr in der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle (PSKB) der Stiftung LEBENSRÄUME in der Herrnstraße.
Die Teilnahme ist kostenlos.
Geleitet und moderiert wird die Gruppe von Michael Jaensch.